Ruhe kehrt ein
Der Herbst ist gekommen. Draussen ist es schon wieder dunkel geworden.
Marcel mixt gerade in der schwach beleuchteten Küche aufgetaute Leber mit Wasser und einigen kleineren Geheimnissen zu einer braunen Flüssigkeit zusammen. Anschliessend werden daraus Eiswürfel gefroren. Natürlich ist das Resultat der ganzen Prozedur nicht für uns gedacht, sondern für die Hunde. Wir hören dabei etwas Radio und sind zufrieden.
Ein weiterer guter Tag geht zu Ende, in dem wir einiges der noch tausend offenen Sachen bis zum Start des Yukon Quests erledigen konnten.
Wir arbeiten immer noch am "Dogyard" (Hunde-Zwinger), es müssen grosse Löcher im Boden ausgebessert werden, die Hundebox zum Transport der Hunde soll auf einem schweren Holzgestell aufgebockt werden, Hundehäuser haben wir genauso gebaut wie ein Zwinger für unsere kleinen Welpen.
Unsere ersten Tage in Whitehorse am Splendour Drive sind wie im Flug vorbei gegangen.
Das Holzhaus steht in einem offenen Stück Wald etwa einen Kilometer vom Yukon River entfernt.
Die Umgebung rund ums Haus hat Marcel zusammen mit Erich, einem Freund aus der Schweiz, in den letzten Wochen bevor ich angekommen bin auf Vordermann gebracht. Bereits jetzt fällt dem Besucher beim Hereinfahren auf, dass da Schweizer wohnen müssen. Wir selbst belächeln manchmal unsren übertriebenen Drang nach Sauberkeit und Ordnung.
Genauso wie wir, müssen sich auch unsere Hunde auf die neue Situation einstellen. Es sind noch nicht alle unsere Laufwunder in ihre alten Verhaltensmuster zurückgekehrt.
Obwohl wir wissen, dass Hunde mehrere Wochen brauchen um sich optimal auf eine neue Situation einzustellen, um eine gute Leistung an den Tag legen zu können, bemühen wir uns sie möglichst happy zu machen und verwöhnen sie jetzt besonders.
Die ersten Trainingsläufe mit allen Hunden zusammen sind gut verlaufen und stimmen mich zuversichtlich. Unser Trail verläuft meist über holperige, schmale Waldwege zwischen Espen und Tannen hindurch, über Moose und sandige Erde spulen wir mit dem 4-wheeler in den nächsten Wochen Kilometer für Kilometer ab.
Unsere letzten Gedanken gehören unsren Frauen und Kindern. Wir freuen uns ungemein auf das kommende Wochenende. Dann werden wir unsere Lieben wieder bei uns haben. Ein grosses doch noch etwas leeres Haus wird dann zum Leben erwachen und mir eine wichtige Basis für das Bevorstehende sein.

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