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Ein Tag wie jeder Andere


 
Manche Leute halten es für übertrieben oder heroisch, Andere würden gerne hören wie Erlebnisse wirklich sind und wieder Andere lechzen förmlich nach Sensationen.
 
Wie eine Erfahrung durchlebt wird, ob gut oder schlecht, wie sie anschliessend wiedererzählt und geschildert wird ist sehr individuell und persönlich.

Einen banal erklärbaren Grund zu suchen für Dinge die ich unternehme, oder über den Sinn in meinem Tun zu debattieren ist zu einfach. Immer mit der Frage ob es zu schaffen ist, verbunden mit dem möglichen Scheitern, ist das Erlebnis an sich Grund genug für meine Suche. Der Moment, das Ungewisse, die zeitlose Situation im Moment der Anforderung an mich sind für mich Antrieb genug.

Darüber nachzudenken, für mich dahin zu philosophieren ist ein weiterer. Meine Eindrücke oder das Erlebte aber zu schildern ist nicht einfach.





Wie hunderte von spitzen Nadeln preschen kleine eisige Kristalle in meine Augen. Die Kapuze meiner Daunenjacke tief ins Gesicht gezogen versuche ich in die Ferne zu spähen, mich auf der Fläche des Kilometer langen Sees zu orientieren. Die spärlichen Wegmarkierungen sind wegen des wütenden Windes, des starken Schneefalls und der Dunkelheit verschwunden.

Immer wieder kreuzen meine Leithunde im tiefen Schnee auf und ab um den verlorenen Trail aufzuspüren. Plötzlich biegen sie nach rechts ab, dann wieder nach links. Ich bin mir nicht mehr sicher wo wir uns befinden. Die kurzen Blickkontakte mit den zwei an der Spitze laufenden Hunden sprechen Bände. Ein weiteres Mal schaut mich Blackcomb, einer der Beiden an und gibt mir das Gefühl der Sicherheit. Dann wieder und wieder dieselbe Frage. Wo ist der Trail.
Erschrocken realisiere ich, dass wir den Trail verloren haben und in der Dunkelheit umherirren.


Es ist nach Mitternacht und ich bin auf dem Rückweg eines langen und anstrengenden Trainings mit 14 Rennhunden. Hinter uns fahren zwei Freunde begleitend mit dem Snowmobil. Das so starke Licht unserer Stirnlampen und der Snowmobil-Scheinwerfer verschwinden im Nichts des Schneegestöbers zur Unbrauchbarkeit. Ortsunkundig und wie wir traillos können die Beiden nicht riskieren schneller zu fahren. Zu viele Stellen im See sind offen oder bergen die Gefahr des Einbrechens. Mit grosser Mühe gelingt es ihnen die Maschine im langsamen Tempo des Hundeteams durch den Treibschnee zu steuern.


Sie in diesem Moment zum schwach leuchtenden Lichtpunkt reduziert hinter mir folgend, suche ich immer wieder nach Lösungen, versuche meine schnellenden Gedanken zu ordnen und dabei möglichst sicher auf meine Hunde zu wirken.
Meine einzige Hoffnung ist Blackcomb mein Hauptleader und mein eigener Orientierungssinn. "Der Nase nach gehen", ein Ausdruck meines Vaters schiesst mir durch den Kopf. In den vielen Jahren des alleine unterwegs seins, des nach dem Weg suchens, habe ich den so wichtigen Sinn entwickeln gelernt.

Meine Leithunde an der Hand führend leite ich das Team erneut in die vermeintlich richtige Richtung. Mit Blackcomb zusammen werde ich schon weiter finden.
Die Schneeverwehungen sind hart, dann wieder weich und metertief. Die Schneeflocken rasen horizontal in mein Gesicht und lassen mich immer wieder die Augen schliessen.



Als wir mittags um zwölf Uhr guten Mutes den Hundezwinger verlassen haben war es zwar kalt bei minus 22 Grad, der Himmel jedoch noch wolkenfrei und die Wegmarkierungen einwandfrei und leicht zu erkennen. Wir zogen los auf den Fluss, über den langen See und in den kanadischen Busch. Nach guter Fahrt erreichten wir nach einigen Stunden unser Ziel am Teslin River.
Dort wurde es sehr schnell kälter und es schneite ganz leicht.


Nach einer vier stündigen Pause, einer Fütterung, dem wechseln der Booties, hob ich meine Hunde wieder aus dem mitgebrachten Stroh und spannte wieder ein. Der Schneefall war nach einer Stunde bereits stark. Auf dem ersten See entwickelte sich eine leichte Briese zum tückisch auskühlenden Wind. Der Sturm war nicht mehr weit.
Einige Stunden später fahren ich erleichtert und geprägt vom Erlebnis in unsere Zwingeranlage ein.
 
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