Mein Yukon Quest 2004 ist zu Ende
Das Rennen mit 23 verbleibenden Teams nähert sich inzwischen Dawson im Yukon. 48 Stunden nach meiner Rückkehr aus Alaska fällt es mir nicht leicht meine trainierten Hunde draussen im Dogyard herumstehen zu sehen.
Soeben habe ich einen Zwischenbericht in der nationalen Zeitung gelesen indem ich über mein Rennen und die Gründe der vorzeitigen Aufgabe geantwortet habe. Dann ärgert es mich wieder und wieder nicht mehr dabei sein zu können. Gleichzeitig wandert mein Blick durch das Fenster nach Draussen über einige körperlich angeschlagene Hunde. Meine Hunde. Junge Hunde. Meine Zukunft! Und ich weiss, dass ich richtig entschieden habe.
Eine Prostata Entzündung und eine ältere Knieverletzung zwangen mich zum zurücklassen zweier Haupt-Leithunde schon nach den ersten 100 Meilen.
Mit 12 Hunden ging es weiter von Angel Creek über den Boulder- und Rosbud Summit und durch den Birch Creek nach Mile 101. Das mehrere Meilen lange Glatteis vor Mile 101 forderte ein nächstes Opfer. Im Dogdrop versuchte ich alles erlaubte die Schulterverletzung zu mindern.
Nach über acht Stunden Pause, geplant waren deren sechs, brachte ich nur mit grosser Mühe alle 12 Hunde aus dem Lager heraus. Eine der Hauptprüfungen, der Eagle Summit erreichten wir dann zu meinem Erstaunen in unter 1 Stunde Aufstieg. Der leichte Wind in 101 war in der Gipfelregion stärker geworden. Die Sicht reduziert durch herumwirbelnden Schnee reichte zum Teil knapp zu den Leithunden vor. Es war stockdunkle Nacht. Kein Team vor oder hinter uns war zu sehen. Später erfuhr ich über Internet Berichte von gemessenen -47° Celsius und 20-30h/km Wind in der Gipfelregion.
Das so untypisch milde Wetter beim Überqueren der ersten Teams hatte sich für uns unvorteilhaft geändert. In der von den Mushern so gefürchteten Abfahrt vom Eagle Summit sollte es noch schlechter kommen. Tiger mein jüngster Hund im Team überschlug sich und zog sich dabei eine Schulterverletzung zu. Erst einige hundert Meter weiter unten konnte ich das Hundeteam stoppen und den stark hinkenden Hund der sich gegen das Weiterlaufen mit aller noch zu Verfügung stehenden Kraft wehrte in den Schlitten einladen.
Mit grosser Mühe und viel verlorener Zeit erreichten wir den Checkpoint Central.
Nach dem Einrichten des Nachtlagers, einer ausgiebigen Fütterung und dem versorgen der Verletzten Hunde zog ich den Race-Veterinär zu und besprach das Vorgefallene. Wir berieten uns auf ein Abwarten von etwa 6-8 Stunden.
Nach zwei Stunden vergebens versuchten Einschlafens stand ich ein zweites Mal auf um meine Hunde zu checken. Es sah nicht sehr gut aus. Zwei stark Angeschlagene litten zusätzlich unter einer starken Dehydratation und verweigerten erneut Wasser und Essen. Tiger konnte immer noch kaum auf den eigenen Beinen stehen. Auch Sigge litt an starken Schmerzen und konnte nicht aufstehen.
Für mich zeichnete sich das noch vor wenigen Tagen Undenkbare ab. Ich legte mich ein zweites Mal schlafen. Nach etwa sechs Stunden Pause und einem intensiven Gesundheits- Check entschied ich mich in Absprache mit den Tierärzten zum Abbruch des Rennens.
Die Aufgabe war ein Kampf. Mein Wille etwas zu schaffen, zu erreichen, mein Focus zum Ziel hätte nie nachgegeben, was ich seit Monaten im Kopf mit mir herumgetragen habe, etwas was mich und meine Familie, meine Freunde enormen Aufwand und Zeit gekostet hat, Mut und Überwindung gefordert hat es überhaupt anzugehen, dieser Wille war nicht ausschlaggebend.
Mushing ist Kollektiv, ist Mannschaftssport, bedeutet Rücksichtnahme und Anpassung. Bedeutet manchmal auch Aufgabe zur Sicherheit der Geschwächten oder der Angeschlagenen.
Anders als in Projekten oder Expeditionen in der Vergangenheit, anders als auf Klettertouren oder Steilskiabfahrten auf denen ich mein Wille bis zum Exzess durchsetzen muss um die Chance zu haben das Anvisierte überhaupt zu erreichen.

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